Literarische Texte überarbeiten

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Sowohl während meiner Ausbildung als auch hinterher habe ich mit etlichen Autoren und Autorinnen gesprochen und konnte so einen Einblick in deren Arbeitsweise gewinnen. Vielleicht ist für Dich die eine oder andere Anregung mit dabei, die Du für Dich nutzen kannst.

Meiner Erfahrung nach hat jede bzw. jeder eine andere Arbeitsweise. Einer, der seine Texte kaum überarbeitet, ist etwa der bekannte Krimi-Autor Stefan Slupetzky. Bereits seine erste Fassung ist schon so gut wie druckreif, erzählte er. Demnach dauert es bei ihm etwas länger bis er eine Seite fertig hat. Jeder Satz, den er schreibt, wird also bereits während des Schreibens genau ausformuliert.

Genau so stellen sich viele Laien das Leben eines Autors vor: jederzeit druckreife Texte abliefern. Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus. Genauso individuell wie jeder Mensch ist auch die Arbeitsweise von Autoren. Manche schreiben die Erstfassung ihrer literarischen Texte per Hand. Die Überarbeitung erfolgt, währenddessen der handschriftliche Text getippt wird.

Auch ich habe mir angewöhnt, Ideen zuerst handschriftlich zu notieren. Dann tippe ich eine Art Skizze, um eine grobe Vorlage zu haben. Mit der wird dann so lange weiter ausgearbeitet bis eine brauchbare Erstfassung entstanden ist. Diese Version wird so lange überarbeitet, bis ich mit ihr halbwegs zufrieden bin.

Je nach Dringlichkeit mache ich mehrere Tage, Wochen oder sogar Jahre Pause, um danach den Text erneut zu überarbeiten. Marlen Schachinger hat uns im Zuge des Lehrgangs Literarisches Schreiben empfohlen, diese Pause einzulegen. Sie nennt diesen Vorgang „Abhängen“. Vielleicht kennst Du diesen Begriff aus der Herstellung luftgetrockneter Lebensmittel.

Ähnlich wie sich Lebensmittel während der Trocknung verändern ist es auch mit Deiner Sichtweise auf Deinen Text. Durch die Pause gewinnst Du Abstand. Bereits wenige Tage später liest Du ihn mit anderen Augen. Du findest nicht nur leichter Fehler, sondern kannst auch besser beurteilen, ob das, was Du in Deiner Geschichte transportieren wolltest, beim Leser bzw. der Leserin ankommen könnte.

Sobald Du die finale Fassung fertig geschrieben hast, kannst Du Deinen Text einer anderen Person zu lesen zu geben. Idealerweise ist das jemand aus Deiner Zielgruppe, für die Du Deinen Text geschrieben hast. Aufgrund des Feedbacks hast Du jetzt die Möglichkeit, diese Anregungen für eine weitere Überarbeitung Deines Textes zu nutzen.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sich viele Schreibanfänger selbst unter hohen Druck setzen. Sie glauben, dass sie bereits in der Erstfassung einen ähnlich fertigen Text abliefern müssen, wie es Stefan Slupetzky macht. 

Nach diesem Blogbeitrag weißt Du jetzt, dass dies nur eine von mehreren Möglichkeiten ist, Texte zu erstellen. Du kannst also jederzeit entspannt loslegen. Denn Du weißt jetzt, dass es ganz normal ist, Deinen Text beliebig oft zu überarbeiten, bis dieser so weit fertiggestellt ist, dass Du ihn anderen zum Lesen geben möchtest.



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