Was sind Coaching, Training und Beratung?

7 Minuten

Kürzlich gab es auf der österreichischen Nachrichten-Plattform orf.at einen Beitrag zu Coaching und persönlicher Sinnsuche. Laut diesem Artikel nehmen immer mehr Menschen diese Dienstleistung in Anspruch. Gleichzeitig ist mir bei der dazu gehörigen Online Diskussion aufgefallen, dass viele Menschen Coaching mit Training und Beratung verwechseln. Also fragte ich meine Instagram-Community, ob ich diese Begriffe näher erläutern soll. Dieser Blogbeitrag ist das Ergebnis dieser Abstimmung. 

Auch ich habe bereits sowohl privat als auch beruflich Coaching-, Trainings- und Beratungsleistungen genutzt und konnte als Klientin, Studentin, Kursteilnehmerin und Kundin viele praktische Erfahrungen sammeln. Zudem bin ich seit einiger Zeit TÜV-zertifizierte Trainerin für Erwachsenenbildung. Die Definition und Unterscheidung dieser unterschiedlichen Berufe war Teil meiner Ausbildung.

Coaches unterstützen dabei, die eigenen Ressourcen zu aktivieren, um eigenständig berufliche oder persönliche Ziele zu erreichen oder um selbst ein Problem zu lösen. Er oder sie arbeitet freiwillig und auf Augenhöhe. Das bedeutet, dass er oder sie den Klienten oder die Klientin als Experten oder Expertin für das eigene Leben betrachtet. Der Fokus liegt also dabei, ihn oder sie anzuregen, eigene Lösungen zu finden.

In der Praxis wählt der Coach oder die Coachin aufgrund der Erfahrung und des Wissens jene Coaching-Methode/n aus, die gerade jetzt zu dieser Person in dieser Situation am besten passt. Dadurch wird die Kreativität der jeweiligen Person aktiviert. Er oder sie entwickelt Ideen, wie er oder sie sich in gewissen Lebensbereichen verbessern, wie er oder sie konkrete Ziele erreichen oder für ein aktuelles Problem bestmöglich selbst eine Lösung finden kann. Das bedeutet in der Praxis, dass der Coach oder die Coachin weder Vorschläge bringt noch Vorgaben macht. Diese entwickelt der Klient oder Klientin selbst.

Der internationale Coaching-Dachverband ICF (International Coaching Federation) unterscheidet in seiner 2020 erschienenen globalen Coaching Studie zwischen Coaching-Praktikern sowie Führungskräften, die Coaching-Fähigkeiten im Job einsetzen. Die Coaching-Praktikerinnen sind in Unternehmen angestellt und/oder als externe Mitarbeitende tätig. 

Auch wenn es am Papier sympathisch klingt, wenn Personalverantwortliche oder Führungskräfte Coaching-Fähigkeiten einsetzen, um ihre Mitarbeitenden bestmöglich zu unterstützen, frage ich mich, wie das in der Praxis klappen soll. 

Im beruflichen Alltag müssen Vorgesetzte bekanntlich dafür sorgen, dass die Vorgaben und Ziele des Unternehmens erreicht werden. Somit können sie im Gegensatz zu einem externen Coach nie völlig unabhängig, freiwillig und aufgrund der Hierarchie auch gar nicht auf Augenhöhe agieren.

Um als Personalverantwortliche und Führungskräfte effektiv coachen zu können, muss eine Balance zwischen der Erreichung der Unternehmensziele und der individuellen Unterstützung der Mitarbeitenden, um deren persönliches Wachstum zu fördern, gewährleistet sein. Es ist wichtig, dass Führungskräfte, die auch Coachingaufgaben erfüllen, bereits von Beginn an sowohl gegenüber der Geschäftsführung als auch gegenüber den Mitarbeitenden diese beiden Rollen transparent kommunizieren.

In Österreich ist klar geregelt, dass sich jemand nur Coach nennen darf, wenn er oder sie eine Ausbildung als Sozial- und Lebensberater/in hat oder einen Gewerbeschein als Unternehmensberater/in vorweisen kann. Auch in der Schweiz gibt es Vorgaben des schweizerischen Berufsverbands für Coaching, Organisationsberatung und Supervision, die eingehalten werden müssen. 

Ganz anders sieht es in Deutschland oder in anderen europäischen Ländern aus. In Deutschland und etlichen anderen europäischen Ländern sind die Voraussetzungen für die Ausübung des Coach-Berufs im Vergleich zu Österreich deutlich lockerer. Zudem sorgt die Vielzahl an Ausbildungswegen und Zertifizierungen gerade bei Laien für Verwirrung. Dies erschwert die Unterscheidung zwischen seriösen Coaches und solchen, die vielleicht nur einen Wochenend-Kurs belegt haben oder gar keine formale Ausbildung vorweisen können. 

Um die Qualität eines Coaches zu beurteilen, kann es hilfreich sein, seine oder ihre Ausbildung zu überprüfen. Die Mitgliedschaft in einem internationalen Dachverband wie dem ICF (International Coaching Federation) kann auf die Einhaltung von Mindeststandards hinweisen. In einem boomenden Markt ist bei einigen Coaches aus Deutschland Vorsicht geboten, um nicht auf schwarzer Schafe hineinzufallen. Es gibt immer wieder Menschen, die fehlende gesetzliche Vorgaben und mangelnde Transparenz zu ihren Gunsten ausnutzen.

Beim Training geht darum, jemandem Know-how zu vermitteln. Diese Wissensvermittlung orientiert sich ähnlich wie in der Schule an einem Lehrplan. Es gibt jedoch entscheidende Unterschiede zur Schule. 

Lehrkräfte haben in der Schule auch erzieherische Aufgaben zu erfüllen. Zusätzlich läuft es im Schulunterricht ähnlich hierarchisch zu wie in vielen Unternehmen. Der Lehrplan wird nicht vom Lehrer oder der Lehrerin und auch nicht von der Schuldirektion bestimmt, sondern von einer Behörde. 

Solche strengen Lehrpläne gibt es bei Erwachsenen an Abendschulen für Abitur/Matura oder bei Prüfungen für eine Berufs- oder Gewerbeberechtigungen und an vielen Universitäten oder Fachhochschulen. 

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es später bei der Auswahl der Themen für die Studienabschlüsse etwas lockerer gehandhabt wird. Je innovativer der Studienzweig ist, desto flexibler wird der Unterricht gestaltet und desto entgegenkommender sind die Vortragenden und Referentinnen. Trotzdem wird von Studenten und Studentinnen häufig eine hohe Eigenleistung erwartet, um sich einen Teil des Wissen zu selbst zu erarbeiten. 

Im Schulunterricht, aber auch an vielen Universitäten und Fachhochschulen, ist es aufgrund der hohen Teilnehmerzahl gar nicht möglich, auf die subjektive Bedürfnisse der Lernenden einzugehen. Im Training hingegen sind die Gruppen viel kleiner und dadurch ist eine bessere individuelle Betreuung viel besser möglich.

Mittlerweile ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Menschen sozial lernen. An vielen Schulen als auch Universitäten hinkt man sowohl methodisch als auch inhaltlich und darüber hinaus auch vom immer noch sehr hierarchischen Verhalten und Denken etlicher Lehrkräfte dem aktuellen Stand der Lernforschung hinterher. Dieser Rückstand behindert den Lernfortschritt leider mehr, als dass er ihn fördern würde. 

Professionelle Trainer und Trainerinnen bemühen sich hingegen bereits von Beginn an um den Aufbau einer guten zwischenmenschlichen Beziehung. Denn sie wissen, dass die Teilnehmenden dadurch viel besser und leichter lernen. Sie arbeiten mit dem Vorwissen der Teilnehmenden und gehen gezielt auf deren Bedürfnisse und Interessen ein. 

Trainer und Trainerinnen in der Erwachsenenbildung nutzen analoge und digitale Präsentationsmedien, setzen verschiedene bewährte Methoden ein, wie Gruppenarbeit, Fallbeispiele, interaktive Übungen und individuelles Feedback, um den unterschiedlichen Lernbedürfnissen und Präferenzen der Teilnehmenden gerecht zu werden.

Viele haben eine fundierte Ausbildung, wo sie nicht nur  unterschiedliche Methoden gelernt haben, sondern auch, wie sie auf unterschiedliche Persönlichkeiten in Gruppen und auf verschiedenen Lerntypen eingehen können. Ihr oberstes Ziel ist, Wissen nicht nur theoretisch zu vermitteln. Die Teilnehmenden sollen dieses auch verstehen und praktisch anwenden, ihre Fertigkeiten und Kompetenzen erweitern und damit die Lernziele erreichen. 

Berater sind Fachleute auf einem bestimmten Gebiet, die Menschen dabei helfen, Probleme zu erkennen, Lösungen zu finden und Entscheidungen zu treffen. Berater bieten professionelle Unterstützung und Rat in verschiedenen Bereichen an, sei es im persönlichen Leben, in zwischenmenschlichen Beziehungen oder im beruflichen Kontext. 

Lebens- und Sozialberater helfen in Österreich psychisch gesunde Menschen bei persönlichen Themen wie Entscheidungen, bei familiären Konflikten oder auch beim Berufswechsel. Die Ausbildung ist streng geregelt und enthält neben der mehrsemestrigen Ausbildung zusätzlich viele Praktikums-Stunden. Eine vergleichbare Ausbildung gibt es in Deutschland und in der Schweiz nicht.

Unternehmensberater unterstützen Selbstständige und Unternehmen in wirtschaftlichen Fragen. Sie helfen bei der Analyse, bei der Strategie, bei Prozessen oder bei Abläufen von Unternehmen und schlagen verschiedene Maßnahmen vor, um den wirtschaftlichen Erfolg zu steigern. 

Um in Österreich als Unternehmensberater zugelassen zu werden, sind zahlreiche Voraussetzungen zu erfüllen (betriebswirtschaftliche und wirtschaftsrechtliche Kenntnisse sowie Berater Know-how). Zum Nachweis benötigt man entweder ein Fachstudium oder eine Prüfung. Um in Deutschland oder in der Schweiz eine Unternehmensberatung zu gründen, erfordert keine so strengen Voraussetzungen wie in Österreich. 

Fazit: Coaches, Trainer und Berater erfüllen jeweils unterschiedliche Aufgaben. Die ersten aktivieren die persönlichen Ressourcen, die zweiten vermitteln effektiv Wissen und die dritten unterstützen mit ihrer fachlichen Erfahrung. Zusätzliche Informationen aus der Praxis findest Du bei diesem Beitrag im HR-Web.

Natürlich kann Schreiben sowohl bei Coaching, bei Training als auch bei Beratung hilfreich sein:

  1. Indem Du Gedanken und Gefühle zu Papier bringst, gewinnst Du eine klare Sicht auf Deine eigenen Bedürfnisse und Ziele. 
  2. Schreiben ermöglicht einen Dialog mit Dir selbst, indem Du Dir Fragen stellst und Antworten darauf schriftlich formulierst.
  3. Schreiben unterstützt Deine kreative Problemlösung. Indem Du neue Ideen und Lösungsansätze aufschreibst, kannst Du sie weiterentwickeln. 
  4. Schreiben ist essenziell fürs Lernen. Es beginnt bereits beim Notieren von Informationen während des Unterrichts oder beim Training. Beim Lernen unterstützt es Dich bei der Visualisierung Deiner Gedanken oder um das Verständnis weiter zu vertiefen und das Erlernte besser zu behalten.
  5. Auch für die Analyse Deiner privaten oder auch beruflichen Situation ist Schreiben eine wertvolle Hilfe. 
  6. Komplexe Gedanken können durch Aufschreiben besser strukturiert und geordnet werden. Gerade wenn es um die Umsetzung eines größeren Ziels geht, ist Schreiben sehr nützlich, um Dich besser zu organisieren.

Insgesamt ist Schreiben sehr wertvoll, um persönliches und berufliches Wachstum, Erkenntnisgewinn und Entwicklung zu unterstützen. Schau gerne auch auf meinem YouTube-Kanal vorbei. Dort findest Du viele unterschiedliche vertiefende Videos.



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