Sind Bücher teuer?

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Nachdem immer mehr Bücher online gekauft werden, sind viele der Ansicht, dass die Buchpreisbindung im deutschsprachigen Markt abgeschafft gehört. Häufig wird argumentiert, dass es in vielen anderen Ländern, wie beispielsweise in der Schweiz oder im englischsprachigen Raum, keine derartigen Regelungen gibt. Eine Preisbindung sei in Zeiten wie diesen nicht mehr angebracht, weil sie den Wettbewerb verzerre, sagen die Gegner und Gegnerinnen. 

Die Befürworter und Befürworterinnen der Buchpreisbindung sind hingegen der Ansicht, dass ein einheitlicher Preis von Büchern dazu führt, dass diese als Kulturgut erhalten bleiben. Verlage könnten dadurch nicht nur Unterhaltungs- und Trivialliteratur anbieten, sondern auch Hochliteratur. Da letztere nur in kleinerer Stückzahl gedruckt wird, erfolgt die Querfinanzierung durch den Verkauf höherer Stückzahlen bei Bestsellern.

Ein klassisches Hardcover-Buch (Roman oder Fachbuch) kostet zumeist 20 Euro. Für Fachbücher oder wissenschaftliche Lektüre ist deutlich mehr üblich. Das können mitunter 40 Euro oder mehr sein, weil diese auch in niedrigeren Stückzahlen produziert werden. Als Autor oder Autorin erhältst Du nur rund 10 % des Preises, der Verlag bekommt ca. 40 % und an den Buchhandel fallen etwa 50 %. 

Autoren und Autorinnen benötigen viele Wochen oder Monate, um ihre Werke fertigzustellen. Das ist nur dann lukrativ, wenn man am laufenden Band Bestseller produziert. Nehmen wir an, Du schreibst innerhalb eines Jahres einen hervorragenden Krimi mit 300 Seiten. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein großer Verlag Dein Manuskript kauft, die Produktion und den Druck einer großen Stückzahl vorfinanziert und zusätzlich eine größere Summe in die Vermarktung Deines Buchs steckt, ist eher unwahrscheinlich. 

Denn die meisten Verlage setzen bei hohen Auflagen auf bekannte Namen. Bei einem Taschenbuch, das um rund 10 Euro verkauft wird, sind zumeist keine allzu großen Experimente möglich. Mal abgesehen davon steht jedes Buch eines Newcomers in Konkurrenz zu bekannten Krimi-Autoren. Sie haben bereits eine Fan-Gemeinde, die sehnsüchtig auf ein weiteres Buch ihres Lieblings warten. Neulinge haben also nur wenig Chancen am Markt. Ausnahmen bestätigen die Regel, wie es etwa bei den Krimis von Stieg Larsson der Fall war, dessen Millennium-Trilogie leider erst posthum veröffentlicht wurde.

Um vielleicht auch einmal dem Nachwuchs eine Chance zu geben und beim Buchkauf garantiert die richtige Wahl zu treffen, empfehle ich Dir den Besuch eines kleinen Buchladens. Im Gegensatz zu den großen Ketten, die manches Mal nur studentische Aushilfskräfte beschäftigen, arbeiten dort Menschen, die oft seit vielen Jahren selbst begeisterte Leser und Leserinnen sind. Wenn Du ihnen sagst, was Du gerne liest und wofür Du Dich interessierst, können sie Dir sofort sagen, welche Lektüre für Dich geeignet wäre. So habe ich auch schon öfters neue Entdeckungen gemacht. 

Ein Buch zu lesen, ist in der Regel ein viel längeres Vergnügen als wenn Du Dir etwa einen Kinofilm anschaust. Selbst bei einem 300 Seiten-Krimi bist Du viel länger beschäftigt. Je nach Lesegeschwindigkeit sind das etwa 5 bis 6 Stunden, bei Büchern mit größerer Seitenzahl auch entsprechend mehr Stunden. Mal abgesehen davon bietet Lesen viele weitere Vorteile

Einen bedeutungsvollen Punkt habe ich bislang noch nicht angesprochen: Sowohl Romane als auch Sach- und Fachbücher können lebensverändernd wirken. Im Gespräch mit anderen begeisterten Lesern und Leserinnen haben mir viele bestätigt, dass sie in ihrer Vergangenheit die Erfahrungen gemacht haben, dass Bücher ihr Leben radikal verändert haben. Das bedeutet, dass die Lektüre gewisser Bücher sowohl ihr als auch mein Leben in eine sehr positive Richtung gelenkt hat. 

Wenn man unter diesem Gesichtspunkt die Kosten von Büchern mit anderen Aktivitäten vergleicht, die ebenfalls eine lebensverändernde Wirkung haben, sind die durchschnittlich 20 Euro für ein Buch ein Dumpingpreis. Bücher sind viel zu billig und werden in ihrem Wert, den sie Menschen schenken können, völlig falsch eingeschätzt. Es würde mich freuen, wenn dieser Blogbeitrag ein wenig dazu beigetragen hat, das Bewusstsein dafür zu schaffen.



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