Wie schreibt man einen Liebesbrief?

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Bald ist Valentinstag. Ob Du frisch verliebt oder in einer langjährigen Beziehung bist – Dein Partner oder Deine Partnerin freut sich garantiert über einen Liebesbrief von Dir. Zu einem besonderen Anlass überlegen wir uns üblicherweise auch ein persönliches Geschenk. Küsse und Herzen via Social Media zu versenden oder Blumen und Parfum zu kaufen ist einfach, doch heute nicht Besonderes. 

Falls Dein/e Partner/in den Valentinstag dumm findet und die Ansicht vertritt, dass der Tag nur aus kommerziellen Gründe stattfindet, kannst Du ihm oder ihr zu einem anderen Anlass wie seinem/ihrem Geburtstag oder zu Eurem Jahres- oder Hochzeitstag einen handgeschriebenen Liebesbrief überreichen.

Doch wie schreibst Du einen Liebesbrief? Vor allem einen, den der Partner oder die Partnerin mag? Ähnlich wie bei der Auswahl eines Präsents geht es dabei nicht um Deine Vorstellungen, sondern natürlich um die Wünsche und Bedürfnisse des oder der Beschenkten. 
Selbst wenn Du schon seit Jahren Bett und Tisch mit ihm oder ihr teilst, empfehle ich Dir, als ersten Schritt eine schriftliche Kurzzusammenfassung über ihn oder über sie zu machen. Inspiration entsteht oft erst während des Schreibens und nicht, wenn Du die ewig gleichen Gedanken im Kopf wiederholst. In dem Moment, wo Du durch das Aufschreiben Dein Arbeitsgedächtnis entlastest, kann Dein Gehirn neue Impulse entwickeln. 
Notiere Dir schriftlich: Was weißt Du bereits über ihn oder sie? Welchen Charakter bzw. welche Persönlichkeit hat er oder sie? Welchen Kleidungsstil bevorzugt er/sie? Welche Hobbys und Interessen hat er/sie? Welche Farben mag er/sie? Welche Musik hört er/sie gerne? Geht es ihm/ihr bei der Musik vor allem um den Klang, um die Texte oder um beides? Welche Bücher/Filme/Serien mag er/sie? Was gefällt ihm/ihr daran? 
Notiere Dir diese Informationen in einer Checkliste, die dann in etwa wie folgt aussehen könnte:
  • Introvertiert, herzlich, fürsorglich, gelegentlich ein wenig chaotisch
  • Trägt gerne Jeans, T-Shirt und Sneakers
  • Bei besonderen Anlässen auch eleganter
  • Gesellschaftsspiele mit Freunden, kocht gerne italienisch
  • Blautöne
  • Hört gerne Rockmusik, Sound und Text
  • Breaking Bad, Marvel-Filme
  • Spezialeffekte, Sieg der Gerechtigkeit
Ich habe mich bemüht, diese Beschreibung möglichst geschlechtsneutral zu halten. Bei der Persönlichkeit habe ich mich am OCEAN/5-Faktoren-/Big Five-Modell orientiert, das ich in meiner Podcast-Episode über Persönlichkeitsmerkmale vorstelle. Du kannst es natürlich noch ausführlicher gestalten, weil Du vermutlich Deinen Partner oder Deine Partnerin sehr gut kennen wirst. 
Diese Informationen kannst Du jetzt dazu nutzen, um für ihn oder sie das passende Briefpapier für den Liebesbrief auszuwählen. In unserem Beispiel wäre (hell-)blaues Briefpapier samt dazu passendem Kuvert sowie ein blauer Stift passend. Helleres Blau für das Papier deshalb, weil man blauen Stift auf mittel- oder dunkelblauem Papier kaum lesen kann.
Du kannst Dir das alles zwar online kaufen. Schlauer ist es, Dir das Papier und den Stift in einem gut sortierten Papierwarenladen zu kaufen, vor allem wenn Du selten Briefe schreibst. Bilder können täuschen und bei einem Liebesbrief ist das Erlebnis, das Papier zu fühlen und den Brief zu öffnen, etwas ganz Besonderes. Außerdem sieht Deine Handschrift immer anders aus, je nachdem welchen Stift oder welches Papier Du verwendest.
Im Papierfachgeschäft hast Du zusätzlich die Möglichkeit, Dich von einem Experten oder von einer Expertin beraten zu lassen. Normalerweise ist es dort gestattet, das Papier (mit sauberen Händen) anzufassen und die Stifte oder Füllfederhalter auf einem Schmierpapier ausprobieren. Dicke und Material des Schreibgeräts sollten sowohl zu Dir und Deinem Schriftbild passen, als auch den Geschmack Deines Partners oder Deiner Partnerin treffen. 
Für einen Liebesbrief solltest Du Dir echtes Briefpapier und kein 08/15-Kopierpapier kaufen. Briefpapier ist zumeist vom Seitenformat kleiner und von der Papierstärke dicker als Kopierpapier. Es sieht dadurch gleich viel persönlicher und hochwertiger aus. Das kleinere Papierformat ist für einen Brief besser geeignet als A4-Kopierpapier, vor allem wenn Du eher weniger Text schreiben willst. Obendrein bieten viele Hersteller zum Briefpapier passende Kuverts an. 
Briefpapier gibt es stückweise oder in einem Set (mehrere Blätter und Kuverts). Regelmäßige Briefschreiber/innen könnten sich persönliches Briefpapier mit dem eigenen Vor- und Nachnamen oder dem Kürzel (Anfangsbuchstaben des Vor- und Nachnamens) anfertigen lassen. Privates Briefpapier sieht stets edel und hochwertig aus und darf keinesfalls mit Papier für Geschäftsbriefe verwechselt werden.
Außerdem benötigst Du später einen Bleistift mit weicher Mine (Härtegrad B oder 2B), einen Bleistiftspitzer, ein Lineal und ein qualitativ hochwertigen Radiergummi. 
Nun kommen wir zum Inhalt Deines Liebesbriefs. Persönliche Briefe haben immer die folgende Struktur:
  • Anrede
  • Briefinhalt
  • Grußformel
  • Unterschrift
Die Anrede sollte so gewählt werden, wie Du üblicherweise mit ihm oder ihr sprichst oder schreibst bzw. wie er oder sie gerne genannt werden möchte. Vermeide eine Anrede, die zu formell, zu salopp oder gar herabwürdigend verstanden werden könnte. Das Ziel der Anrede ist, dass er oder sie sich sofort wohl und glücklich fühlt. Du könntest Vorname oder ein Kosename, also wie folgt:
  • Liebe [Vorname/Kosename],

oder

  • Lieber [Vorname/Kosename],
Andere Anreden könnten sein:
  • Für [Vorname/Kosename],
  • An [Vorname/Kosename],
  • Mein/e [Vorname/Kosename],
  • Mein/e liebe/r oder herzallerliebste/r [Vorname/Kosename],
Danach kommt mit einer Zeile Abstand der Briefinhalt, wobei der erste Buchstabe der ersten Zeile immer mit einem Kleinbuchstaben beginnt. Das sieht dann so aus:
Liebe Maria,

als wir uns vor fünf Jahren …
Du kannst in einem privaten Brief natürlich auch die klassische Briefanrede wählen. Die würde dann so aussehen:
Lieber Josef!

Als wir uns vor fünf Jahren …
Je nachdem welcher Mensch Du bist und welcher Mensch Dein Partner oder Deine Partnerin ist, könntest Du Dich an den fünf Sprachen der Liebe orientieren. Mehr dazu findest Du auf meinem YouTube-Kanal. Oder auch folgende Ideen aufgreifen: 
Schreibe,
  • über schöne gemeinsame Erinnerungen, 
  • warum Du immer wieder an ihn/sie denkst,
  • was Du an ihm/ihr besonders toll findest,
  • was Dich an ihm/ihr beeindruckt,
  • wofür Du ihn/sie respektierst,
  • wofür Du ihm/ihr dankbar bist,
  • worüber Du Dich im letzten Jahr sehr gefreut hast, 
  • welche Erlebnisse Du mit ihm/ihr toll gefunden hast.

Du kannst auch etwas ansprechen, was Euch beide verbindet und/oder Euch wichtig ist. Überlege Dir, ob Du ihn oder sie mit Aussagen zum Aussehen, zur Persönlichkeit, zum Verhalten im Allgemeinen,  zum Verhalten bei einem schönen Ereignis oder die Freude an einem gemeinsamen Erlebnis am meisten glücklich machen kannst. 

Beachte dabei, dass es stets um seine oder ihre Bedürfnisse geht und nicht um die Deinigen. Bitte schummle dort keine geheimen persönlichen Wünsche hinein. Das ist nicht die Aufgabe eines Liebesbriefs. Dieser Brief soll ihn oder sie glücklich machen und ist nicht dazu da, unterschwellig Deine Anforderungen an ihn oder sie mitzutransportieren.
Falls es einen Text gibt, den Ihr beide gerne mögt und der dazu passt (Songtext, Buchinhalt, Filmzitat), kannst Du diesen ebenfalls einbauen – vielleicht als einleitendes Zitat zum Brief. Am zuvor genannten Beispiel könnte Euer gemeinsamer Lieblingssong I Don’t Want to Miss a Thing von Aerosmith sein. Dann könntest Du Deinen Brief einleiten mit:
Every moment spent with you is a moment I treasure.
Liebe/r  [Vorname/Kosename],

seit fünf Jahren …
oder
Liebe/r  [Vorname/Kosename],

every moment spent with you is a moment I treasure. Seit fünf Jahren …
Anstelle des Songtextes kannst Du auch ein passendes Zitat einer bekannten Persönlichkeit suchen, die er/sie mag, das dazu passt. Falls er oder sie Lyrik mag, kannst Du ein Gedicht oder Auszüge daraus verwenden, um Deine Empfindung für ihn oder sie auszudrücken. Beachte bitte auch hier, dass es nicht um Deinen Geschmack, sondern um den Deines Gegenübers geht. 
Am Ende folgen Grußformel und Unterschrift. In privaten Briefen lautet die Grußformel immer „Dein“ oder „Deine“ gefolgt von Deinem Vornamen oder Kosenamen. Das könnte so aussehen:
Dein

[Vorname/Kosename]
oder
Deine

[Vorname/Kosename]
Außerdem empfehle ich, dass Du im Liebesbrief das Personalpronomen Deines Gegenübers großschreibst, also Dir anstelle von dir. Laut neuer deutscher Rechtschreibung ist zwar Kleinschreibung möglich. Dir drückt trotzdem mehr Wertschätzung aus als dir
Falls Du nicht ständig handschriftliche Briefe schreibst, könnte es sinnvoll sein, den Inhalt Deines Liebesbriefs in drei Schritten zu erarbeiten:
  1. Schreibe Dir zuerst Stichworte auf, was im Brief enthalten sein soll oder was Du ansprechen möchtest. 
  2. Danach folgt der erste Entwurf. Fasse dazu die Stichworte in Sätze. Lass den ersten Entwurf einen Tag liegen. Falls Du eine weitere Idee hast, die Du integrieren möchtest, notiere sie Dir, damit Du sie nicht vergisst. 
  3. Lies Dir am nächsten Tag den Brief noch einmal durch und überarbeite vielleicht noch einmal die Formulierungen. Integriere eventuelle weitere Ideen, wenn sie dazu passen.

Sobald weißt, was Du schreiben möchtest, überlege Dir, wie viel Platz der Inhalt des Briefs benötigen wird, also wie viele Zeilen Dein Brief am Briefpapier haben wird. Die Zeilenhöhe und die Zeilenabstände sollten zu Deiner Handschrift passen. Falls Du eine kleine Handschrift hast und nicht viel Inhalt, lasse etwas mehr Abstand zum oberen, unteren und seitlichen Rand sowie zwischen Anrede, Briefinhalt und Grußformel, sodass der Brief auch schön anzusehen ist. 

Falls Du nicht täglich handschriftlich auf Blankopapier schreibst und Übung darin hast, gerade zu schreiben, ziehe zart mit Bleistift Hilfslinien und schreibe den Text des Briefes vor. Linien und Text in Bleistift kannst Du wegradieren, sobald der Stift getrocknet ist.
Je nach Interesse und Geschmack Deines Gegenübers kannst Du den Brief auch verzieren, entweder Du nimmst thematisch passende Sticker, zeichnest etwas oder legst ein gemeinsames Foto bei. 
Nach diesem Muster kannst Du weitere persönliche Briefe an nahestehende Menschen schreiben, die Du magst. Drücke mit einem Brief dem besten Freund, der besten Freundin, jemandem in Deiner Familie oder eine andere wichtige Person Deine Wertschätzung aus. 
Finde immer zuerst die Bedürfnisse und Wünsche Deines Gegenübers heraus. Überlege Dir danach, wie Du ihm oder ihr mitteilen könntest, was Du an ihm oder ihr besonders magst, wofür Du dankbar bist oder gemeinsamen Erlebnisse oder Erinnerungen, die heute noch für Dich bedeutend sind. Durch solche Briefe zeigst Du wichtigen Menschen, dass Du sie gern hast. Viel Spaß bei der Umsetzung!


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